Maske runter, Herz offen, Kater inklusive – was Fasnacht mit uns macht
- Sabine Stotzer
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Die Fasnacht ist ein traditionsreiches Kulturgut, das seit Jahrhunderten den Übergang vom Winter in den Frühling markiert. Ursprünglich als Ritual zur Vertreibung der dunklen Jahreszeit entstanden, wurde sie später in den kirchlichen Jahreskreis eingebettet und zeitlich vor die Fastenzeit gelegt. Diese Einordnung verlieh der Fasnacht ihre bis heute spürbare Spannung zwischen Ausgelassenheit und Begrenzung. Masken und Verkleidungen ermöglichten schon damals einen bewussten Rollenwechsel und schufen einen Raum, in dem gesellschaftliche Ordnungen vorübergehend ausser Kraft gesetzt wurden.
Neben ihrer kulturellen und historischen Dimension trägt die Fasnacht eine starke spirituelle Ebene in sich. Das Tragen der Maske erlaubt es, verborgene Persönlichkeitsanteile zu zeigen und sich für einen Moment vom gewohnten Selbstbild zu lösen. In diesem kollektiven Ausnahmezustand wird Altes verabschiedet und innerlich Platz für Neues geschaffen. Übrigens: Viele Menschen erlebten gerade in der Fasnacht prägende Begegnungen, nicht selten auch das sich verlieben in einer Intensität, die im Alltag kaum möglich scheint. Diese Offenheit und emotionale Verdichtung entsprechen dem rituellen Charakter der Fasnacht als Schwellenzeit. Gleichzeitig zeigt sich hier auch ihre Ambivalenz, denn Entscheidungen und Begegnungen, die unter Alkoholeinfluss entstehen, wurden im Nachhinein nicht immer als stimmig empfunden und vereinzelt auch bereut. Auch diese Erfahrung gehört zur Wahrheit dieses Brauchs und macht deutlich, wie nah Befreiung und die eigene Wahrheit beieinanderliegen.
In der heutigen Zeit bewegt sich die Fasnacht zwischen gelebter Tradition, Eventkultur und individueller Selbstdarstellung. Digitale Medien und wirtschaftliche Interessen prägen das äussere Erscheinungsbild zunehmend, während der ursprüngliche rituelle Kern leicht in den Hintergrund geraten kann. Dennoch bleibt die Fasnacht ein bedeutender kollektiver Raum für Gemeinschaft, Emotionen und gesellschaftliche Spiegelung. Sie erlaubt es, Spannungen sichtbar zu machen, Humor als Ventil zu nutzen und sich zeitweise von festgefügten Rollen zu lösen.
Das Goldene Sofa lässt sich als Raum des bewussten Gegenpols zur äusseren Dynamik verstehen. Während draussen Lärm, Bewegung und Überschwang dominieren, steht das Goldene Sofa sinnbildlich für einen inneren Ort der Ruhe und Reflexion. Es lädt dazu ein, zum Beispiel nach der Intensität der Fasnacht innezuhalten und zu prüfen, welche Erfahrungen nachhaltig wirken und welchen Ausdruck des Ausnahmezustands waren. In diesem geschützten Raum können Begegnungen, Emotionen und Entscheidungen eingeordnet und integriert werden.
Ein bewusster Umgang mit der Fasnacht beginnt daher nicht damit, dass wir die Masken anziehen, sondern in der Bereitschaft zur Nachbereitung. Wer sich Zeit nimmt, Erlebtes zu reflektieren, unterstützt den Übergang zurück in den Alltag und stärkt die eigene Selbstwahrnehmung. So wird die Fasnacht nicht nur als Fest erlebt, sondern als ganzheitlicher Prozess, der kulturelle Tradition, spirituelle Tiefe und persönliche Entwicklung miteinander verbindet.
Damit auch wir die Fasnacht geniessen können bleibt das Goldene Sofa am Samstag, 14.02.2026 ausnahmsweise geschlossen.
Gässli uf Gässli ab… und viel Spass dabei!




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